Das Ehrenamt wird erneut mit Füßen getreten

Da redet man in hohen Kreisen immer vom Ehrenamt, wie wichtig es ist, wie sehr sich die Menschen engagieren und wie sehr das von der Politik anerkannt und gewürdigt wird. Aber das ist doch am Ende alles nur noch eine Veralberung und ein Bla, Bla, Bla.
Unser Sportminister Armin Schuster spricht: “Ein starker Sport ist Motor für ein starkes Sachsen. Deshalb gehören die sächsischen Sportvereine zu den zentralen Pfeilern unserer Gesellschaft- sie verbinden Menschen, fördern Gemeinschaft und tragen unsere Werte. Wie ein gut trainierter Körper braucht auch der organisierte Sport die richtigen Rahmenbedingungen, um leistungsfähig zu bleiben: moderne Sportstätten, weniger Bürokratie und starke Unterstützung für unsere Ehrenamtlichen.“ Das sind eben diese schönen Worte. Aber es steht eben nichts mehr dahinter.
Die Realität sieht in Wirklichkeit an der Basis ganz, ganz anders aus.
Etwa 500.000 lizenzierte Trainer und Übungsleiter erbringen jährlich in Deutschland in ehrenamtlicher Tätigkeit 18,8 Millionen Stunden Gesamtleistung im Sport. Das nimmt man gerne als Bundesrepublik entgegen. Denn das sichert am Ende unsere sportlichen Erfolge im nationalen und internationalen Bereich. Obwohl der Trend stark nach unten verläuft. (siehe Olympia und WM der letzten Jahre) Genau wie die Negativentwicklung der Ehrenamtlichen im sächsischen Sport von 2019 bis 2022 um fast 10.000 Menschen. (Daten aus der Zeitschrift Sachsen Sport 09-10/ 25) Vor allem unsere Jugend hält sich immer mehr zurück. Ein Rückgang der Übungsleiter und Trainer von ca. 10% in diesem Zeitraum ist ein Trend, der sich wohl noch verstärkt hat. Aber das ist ja auch gar kein Wunder. Eine viel zu verkomplizierte Übungsleiter- Grundausbildung, eine umständliche und zu kostspielige Fortbildung, um am Ende anerkennungslos seine Freizeit zu opfern für ein System, was nicht mehr funktioniert?! Ich kann auch gar nicht nachvollziehen, woher Sportfreund Philipp Bludovsky (Fachbereich Organisationsentwicklung) in dem Artikel „Ehrenamt am Limit“ die Erkenntnisse nimmt, dass die Zufriedenheit und die Motivation in den sächsischen Sportvereinen positiv zu bewerten wäre. Die zunehmend fehlenden finanziellen Mittel, die stark abnehmende materiell- technische Basis, die mangelhafte und veraltete Sportstätteninfrastruktur sowie der ständig zunehmende Verwaltungsaufwand sollen die Zufriedenheit der Ehrenamtlichen steigern??? Das ist wohl eher das Wunschdenken einiger Funktionäre. So wie Ministerpräsident Michael Kretschmer meint: „Sachsen ist Sportland. Deshalb schaffen wir auch unter schwierigen Voraussetzungen mit dem neuen Doppelhaushalt finanzielle Rahmenbedingungen, um den Landessportbund weiter zu unterstützen. So können wir gemeinsam gute Voraussetzungen und eine verlässliche Infrastruktur gewährleisten, damit in unseren Vereinen die Freude am Sport im Mittelpunkt steht und …“ Ganz heiße Luft!  Und jetzt kommt das Sahnehäubchen. Am 18.05.2026 bekamen wir Vereine im Rahmen der Vorabinformation zum Förderantrag Projekt Breitensport die Mitteilung vom Fachbereichsleiter Organisationsentwicklung des Landessportbundes Sachsen, Sportfreund Christian Schricker, dass zum wiederholten Male die Zuwendung Projekt Breitensportentwicklung für die Vereine gekürzt werden muss. Bereits im letzten Jahr wurde uns eine beträchtliche Summe gekürzt. In diesem Jahr gibt es eine weitere Kürzung von 15%. Das ist einfach Geld, was den Übungsleitern in ihrem Ehrenamt und den Vereinen entzogen wird.
Übungsleiter und Vereine, das ist unsere Anerkennung. Angeblich ist die Fördersumme um eine Million Euro überzeichnet. Deshalb wird allen Vereinen ihr gesetzlich zustehendes maximales Förderbudget „pauschal“ gekürzt. Entweder haben wir an diesen Stellen super Verplaner, super Verrechner, super Phantasten, Erstklässler, defekte KI oder Spitzbuben dort sitzen.   
Im Oktober letzten Jahres (siehe oben) haben wir noch einen Abwärtstrend von 10% an Übungsleitern zu verzeichnen und sechs Monate später sollen eine positive Mitgliederentwicklung (die gar nichts mit der Mittelbereitstellung zu tun hat) und ein erfreulicher Anstieg der tätigen, lizenzierten Engagierten dazu führen, das etwa eine Million Euro Fördersumme fehlen. In sechs Monaten kann man gar keine Übungsleiter in diesem Umfang neu ausbilden. Ich glaube, die sportpolitische Führung denkt, wir ziehen uns die Hosen mit der Kneifzange an oder wir sind alle nur noch blöd. Dem ist aber nicht so! Es ist die neue Masche. Egal ob an der Tankstelle oder im Sport. Wir haben zwar die schlechtesten Bedingungen und Bilanzen aller Zeiten, aber für die Verantwortlichen ist alles SUPER. Und das ist nur ein Beispiel (allerdings ein sehr schmerzliches), wo es überall klemmt bei uns im Bereich Sport, der gefühlt gar keinen Stellenwert mehr hat in unserer Politik. Das hat überhaupt nichts mehr mit verantwortungsvoller und sportlernaher Führung zu tun.        

Sport Frei!

V.H.                            Mai 2026

PSV Zittau e.V. Abteilung Ski